Von 2.000 Dokumenten pro Woche zur automatisierten Kreditpipeline
- Wie DFKP mit Buildsimple 70 % manuellen Aufwand einspart und gleichzeitig mehr Datenpunkte gewinnt als je zuvor.
Die Ausgangslage: Manuell am Limit
DFKP (Deutsche Firmenkredit Partner) ist einer der größten unabhängigen Finanzierungsvermittler Deutschlands. ISO-zertifiziert, auf den deutschen Mittelstand spezialisiert, vermittelt das Unternehmen Unternehmensfinanzierungen von rund 10.000 Euro bis in den Millionenbereich – über ein Netzwerk aus mehr als 200 Bankpartnern und Finanzierern. Das Kerngeschäft: Dokumente aggregieren, aufbereiten, anreichern und damit Kunden wie Bankpartnern den manuellen Aufwand abnehmen.
Dokumente sind dabei keine Randerscheinung, sie sind der Prozess. Jahresabschlüsse, Betriebswirtschaftliche Auswertungen (BWAs), Summen- und Saldenlisten, Kontoauszüge, Steuerunterlagen, Gesellschaftsverträge, Ausweisdokumente: Ohne sie kein Prescoring, kein qualifiziertes Kreditvotum, kein Angebot vom Finanzierungspartner.
„Wir machen die Dokumente vom Bottleneck im analogen Prozess zum Enabler im digitalen Prozess.“ – Maximilian Dassler, Spezialist für digitale Kreditprozesse, DFKP.
Das Problem auf einen Blick
Zwischen 2.000 und 3.000 Dokumente pro Woche – über 100.000 im Jahr – mussten von einem dedizierten Team manuell gesichtet, klassifiziert und bearbeitet werden. Dabei umfasste allein das Spektrum der Dokumentenklassen rund 200 verschiedene Typen, wobei 10 bis 15 Kernklassen den Löwenanteil des Volumens ausmachten. Zwei bis drei Vollzeitstellen waren ausschließlich dafür gebunden – Kapazitäten, die im Folgeprozess fehlten.
Erschwerend kam die Heterogenität der Eingangskanäle hinzu: Dokumente trafen per E-Mail, über das Kundenportal und per API ein – jeder Kanal mit eigener Struktur, jedes Dokument mit individuellem Aufwand. Den größten Pain Point bildeten Kontoauszüge: 300 bis 400 verschiedene Bankensysteme, kein einheitliches Format, und selbst die korrekte Erkennung des Abrechnungszeitraums war manuell extrem aufwändig. Das eigentliche Problem dahinter: Skalierbarkeit gab es keine. Mehr Volumen bedeutete automatisch mehr Personal, mit allen Konsequenzen: längere Einarbeitungszeiten, Qualitätsschwankungen bei Fluktuation, Engpässe bei Volumenspitzen.
Die Lösung: Eine zweistufige KI-Pipeline mit eigenem Routing
DFKP evaluierte verschiedene Ansätze: Enterprise-OCR-Lösungen, eigene ML-Modelle, mehrere IDP-Anbieter. Die Anforderungen waren klar: heterogene Dokumentenklassen abbilden, All-in-One aus Trennung, Klassifikation und Extraktion, Datenschutz als Grundvoraussetzung, schnelle Time-to-Production und die Möglichkeit, das System selbst zu steuern und nachzutrainieren.
Den Ausschlag für Buildsimple gab ein entscheidender Testansatz: DFKP spielte von Anfang an schwierige Cases ein – keine synthetischen Musterdokumente, sondern echte, heterogene Unterlagen aus dem Tagesgeschäft. Die Plattform überzeugte.
Architektur: Wie die Pipeline funktioniert
Stufe 1: Foundation Model:
Das trainierte Basismodell übernimmt Klassifikation und Extraktion. Für jede Dokumentenklasse sind eigene Confidence-Schwellenwerte definiert. Dokumente, die den Schwellenwert überschreiten, laufen vollständig automatisiert durch – ohne manuelle Sichtung.
Stufe 2: LLM für komplexe Fälle:
Unterschreitet ein Dokument den Schwellenwert, übernimmt ein Large Language Model. Es kann mit ungewöhnlichen Ausprägungen, fehlenden Strukturelementen und atypischen Formatierungen umgehen. Das Routing erfolgt nicht nur auf Klassenebene, sondern auch innerhalb einer Klasse – manche Ausprägungen eines Jahresabschlusses gehen direkt durch, andere erfordern das LLM.
Steuerungshoheit beim Kunden:
Die fachliche Steuerungslogik liegt vollständig bei DFKP. Buildsimple liefert die Plattform – DFKP definiert, welche Dokumente wie verarbeitet werden, welche Fehlerquoten akzeptabel sind und wann welches Modell zum Einsatz kommt. Schwellenwerte werden in regelmäßigen Reviews anhand realer Produktionsdaten kalibriert.
Human-in-the-Loop: Qualitätssicherung als Systembestandteil
Vollautomatisierung ist kein Ziel um jeden Preis. Dokumente, die die Mindest-Schwellenwerte nicht erreichen, gehen an ein dediziertes Quality-Team bei DFKP. Die intuitive Bearbeitungsoberfläche von Buildsimple macht die Prüfung effizient.
Korrigierte Ergebnisse fließen automatisiert per API zurück und dienen als Trainingsdaten. Berater im Folgeprozess können vermeintlich falsch klassifizierte Dokumente flaggen. Das System lernt im laufenden Betrieb – die Dunkelverarbeitungsquote steigt kontinuierlich.
Implementierung: 3 Monate von Kickoff bis Produktivbetrieb
Der POC startete Anfang 2025 und war von Tag eins kein Sandboxbetrieb. Echte Dokumente, echtes Volumen, echte Fehlerquoten. Gestartet wurde mit den 10 bis 20 Dokumentenklassen, die 85–90 % des Gesamtvolumens abdecken – Klassifikation und Extraktion wurden von Anfang an gemeinsam trainiert.
Was die ungewöhnlich kurze Anlaufzeit ermöglichte: DFKP brachte vorgelabelte Daten aus dem eigenen Tagesgeschäft mit. Damit entfiel der übliche Kaltstart vollständig – die Klassifikation lief quasi ab Tag zwei des POC. Gleichzeitig konnte das Team das Tool von Beginn an eigenständig bedienen: selbst hochladen, selbst konfigurieren, selbst einstellen. Buildsimple-Experten waren bei komplexen Edge Cases eng eingebunden, die fachliche Steuerung lag jedoch durchgehend bei DFKP. Heute läuft die Pipeline seit über einem Jahr stabil und gilt intern wie extern als Best Practice für die Einführung von IDP-Systemen in regulierten Umgebungen.
Ergebnisse: Messbar, konkret, geschäftskritisch
- 70 % Reduktion manueller Aufwand
- 80-85 % Dunkelverarbeitungsquote
- 3x Dokumentendurchsatz
- 30-50 % weniger Fehler
Weniger Aufwand, mehr Tiefe: Das Team verarbeitet mit gleichem Personalstand die dreifache Dokumentenmenge. Gleichzeitig werden heute mehr Datenpunkte extrahiert als jemals zuvor – nicht weniger. Felder, auf die zuvor aus Zeitgründen verzichtet wurde, fließen jetzt automatisch in die Finance Engine ein.
Besseres Matching, höhere Konversion: Ein Großteil der Datenpunkte, auf denen das automatisierte Prescoring basiert, stammt direkt aus den extrahierten Dokumenten. Mehr Datenpunkte, höhere Qualität, besseres Matching zwischen Kreditnehmer und Finanzierungspartner und damit eine messbar höhere Konversionswahrscheinlichkeit beim Bankpartner.
Dokumentenqualität als Wettbewerbsvorteil: Bankpartner spielen schlecht aufbereitete Unterlagen zurück. Das ist in der Finanzierungsvermittlung kein Edge Case, sondern Alltag. DFKP differenziert sich heute durch Dokumentenqualität – strukturiert, vollständig, direkt in die Endsysteme der Banken überspielbar. Für einige Partnerbanken besteht bereits eine vollständig digitale Schnittstelle, teils mit Live-Angeboten in Echtzeit.
Time to Offer messbar kürzer Der Berater im Folgeprozess wird nicht mehr durch langsame Dokumentenverarbeitung blockiert. Die Zeit vom Dokumenteneingang bis zum qualifizierten Kreditvotum ist messbar gesunken – ein direkter Vorteil für den Endkunden.
Teameffekte: Vom Sachbearbeiter zum Fallbearbeiter
Die Einführung verlief mit bemerkenswert wenig Widerstand. Zwei Faktoren machten den Unterschied: Der spürbare Wegfall repetitiver Arbeit und die Bearbeitungsoberfläche von Buildsimple, die intuitiver ist als die bisherige Salesforce-Custom-Ansicht.
Freigewordene Kapazitäten wurden nicht eingespart, sondern neu genutzt: In einem Pilotprojekt bearbeiten Lead-Management-Mitarbeitende jetzt auch kleinere Kunden selbst – Kundenfälle, die bisher nicht in die volle Beratung gegangen wären. Das Stellenprofil wurde erweitert, die Verantwortung gewachsen.
Learnings: Was wirklich zählt
Ein Projekt wie dieses läuft nicht nach Lehrbuch. Drei Monate von Kickoff bis Produktivbetrieb – das geht nur, wenn man bereit ist, pragmatisch zu entscheiden. Maximilian Dassler, der die Pipeline bei DFKP operativ aufgebaut hat, bringt es auf den Punkt:
Die Konsequenz: DFKP optimiert nicht auf maximale Automatisierungsquote, sondern auf wirtschaftlich sinnvolle Automation. Freigewordene Kapazitäten fließen in die Bearbeitung der wirklich komplexen Fälle, das ist der eigentliche Skalierungsgewinn.
Fazit
DFKP hat in drei Monaten eine produktionsreife IDP-Pipeline aufgebaut, die heute 80-85 % der Dokumente vollautomatisiert verarbeitet – stabiler, schneller und mit mehr Datentiefe als der manuelle Prozess je liefern konnte. Buildsimple hat dabei nicht einfach einen Prozess automatisiert, sondern die Grundlage für eine neue Stufe der Digitalisierung im Kreditvermittlungsgeschäft geschaffen: von der Dokumentenannahme bis ins Endsystem der Bank, in einem durchgängigen, qualitätsgesicherten Durchlauf.
Key Results
- 70 % weniger manueller Aufwand
- 3-facher Dokumentendurchsatz
- 80–85 % Dunkelverarbeitungsquote
- Mehr Datenpunkte pro Dokument
- 30–50 % geringere Fehlerquote
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vom 02.06.2026